Newsletter: das Herz - die langfristige Investition

Liebe Newsletter-Leserin, lieber Newsletter-Leser,
wie kann jemand davon träumen, in seinem Herzen zu leben und gleichzeitig in der Welt von heute zu überleben? Ist nicht die äussere Welt ein Ort, den die meisten Menschen als kalt und einsam kennen, wo Wettbewerb und das Überleben des Stärkeren herrschen? Welchen Stellenwert hat das Herz in dieser Welt?
Wenn ich diese Frage stelle, werde ich an eine Frage erinnert, die ein Obstbauer mir vor etwa 25 Jahren auf Hawaii stellte. Zu dieser Zeit arbeitete ich zusammen mit einigen anderen an einer Form von sich selbst tragender Landwirtschaft namens Permakultur. Der Obstbauer war interessiert, aber auch skeptisch und sehr besorgt über seinen Gewinn. Der Übergang von einer herkömmlichen Landwirtschaft zur Permakultur ist in den ersten Jahren enorm arbeitsintensiv. Wir erklärten dem Obstbauern, dass höhere Erträge erst nach mehreren Jahren zu erwarten seien. Sollte er aber unser Modell übernehmen, würde er auf seinem Land ein System erschaffen, das nicht nur selbsttragend wäre, sondern auch keine chemische Düngemittel und Pestizide bräuchte. Und es würde künftige Generationen seiner Familie ernähren. Er würde durch Permakultur ein Modell anwenden, das unseren Planeten in einen sprichwörtlichen „Garten Eden“ verwandeln würde. Aber die Umstellung zu diesem „Garten Eden“ würde einige Jahre in Anspruch nehmen. In der Zwischenzeit müsste er für mehrere Jahre mit mittelmässigem Gewinn und viel Arbeit rechnen.
Der Landwirt lehnte unser Angebot ab. Sein grösseres Interesse galt dem kurzfristigen Gewinn und nicht dem nachhaltigen Gedeihen seines Hofes für seine Familie und zukünftige Generationen. Eine bessere Zukunft müsste wohl jemand anderes erschaffen.
Gibt es hier Ähnlichkeiten zu einem mitfühlenden Herzen? Ja, denn in das Herz muss man „investieren“: aus einer grossen Herzöffnung resultiert kaum kurzfristiger „Gewinn“. Die Vorteile sind vielmehr langfristig und kosten ein wenig Mühe.
Der langfristige „Gewinn“ ist enorm. Ähnlich zur Permakultur setzt man durch die Öffnung des Herzens einen Samen, der langfristig hohe „Erträge“ bringt. Der „erhöhte Gewinn“ besteht aus einem zunehmenden, eigenen Energiefeld, eine grössere körperliche Stärke und Ausdauer, intensive Freude und Depressionsverlust, sowie ein längeres und produktiveres Leben mit mehr Kreativität.
Aber dieser „Gewinn“ ist langfristig ausgerichtet. Wenn Sie erwarten, all diese Belohnungen aufgrund eines kurzen, einfachen Trainings zu ernten, sind Ihre Erwartungen zu hoch. Wenn Sie in sich die Bereitschaft und die Motivation finden, in Ihr Herz einzutauchen, werden Sie Ihren Schatz finden und „ernten“. Sie werden aber auch viele Dinge in Ihrem Herzen finden, die nicht sehr angenehm sind und sogar den Anschein von Arbeit erwecken.
Hier möchte ich eine Klientin zitieren, die kürzlich einige wenige kurze Sitzungen mit mir hatte:
„Die letzte Sitzung war ein Volltreffer. Die depressive Stimmung war schlagartig weg, Nervosität und Unruhe sind geblieben, und ich übe, diese Energien in eine Tätigkeit hinein zu kanalisieren. Das gelingt ganz gut in kleinen Dingen. Was meine berufliche Vision betrifft, die ich als meine Lebensvision betrachte, ist mir klar geworden, dass sie nicht konkret genug ist, und deshalb schaffe ich es nicht...ich wünsche mir, etwas zu finden - ein Werkzeug, ein Talent, eine Fähigkeit - das so wertvoll ist, dass es den Menschen gebracht werden muss.
Was immer wieder kommt, seit Sie mit mir arbeiten, sind Wellen von Bedauern, weil ich so viele Fehler gemacht habe, so vielen Irrtümern nachgelaufen bin und dabei teilweise irreparable Schäden entstanden sind. Meine Unwissenheit über die Dinge des Lebens ist wirklich grandios und hochgradig selbstschädigend. Es wundert mich manchmal, dass diese Welt überhaupt noch existiert, denn ich bin ja nicht anders als andere Menschen.
Andererseits gibt es da auch eine grosse Erleichterung, weil meine Irrtümer, meine Dummheit und Naivität mir bewusst werden und dadurch die Wiederholungsgefahr sinkt. Ich erlebe es auch als einen Prozess der Zentrierung (im mentalen und emotionalen Bereich) und der Entschlackung (im körperlichen Bereich).
Derzeit bin ich ruhig und gefasst. Ich verstehe und bemerke, dass Sie bei mir Prozesse eingeleitet haben, die ich aber auch mitgestalten muss. Unser Ausgangspunkt war: "Ich will die Verbindung zum Göttlichen Selbst". Das würde ich noch so gern erleben in dieser meiner derzeitigen menschlichen Existenz.
Eines sollen Sie wissen: Ich betrachte unsere Zusammenarbeit als totalen Erfolg...Inzwischen weiss ich auch, dass eine Zusammenarbeit mit Ihnen nichts für schwache Nerven ist. Dennoch schätze ich mich glücklich, dass Sie mir Ihre Hilfe geben...“
Diese Worte sagen mehr, als ich selber schreiben könnte. Ein tiefes Eintauchen ins eigene Herz, um die Liebe zu entdecken, ist ein tiefes Eintauchen in die Wahrheit. Die Wahrheit über das eigene Leben wird dadurch klar, und diese Wahrheit ist oft schmerzhaft. „Fehler“ der Vergangenheit zu erleben, ist nicht einfach und kann oft den Anschein von harter Arbeit erwecken. Meine Klientin schreibt, dass die Zusammenarbeit mit mir nichts für jemanden mit schwachen Nerven sei. Das ist so: eine Herzöffnung bedeutet Wahrheit. Liebe bedeutet Wahrheit. Die volle Entfaltung der eigenen Biologie bedeutet Wahrheit. Wahrheit ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven.
Andrew Terker
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