liebe ist die basis von allem, was Sie je getan haben...
03.02.2012 - 05:43
In den letzten Texten haben wir begonnen, die Entstehung von Emotionen zu untersuchen und uns mit der Tatsache auseinandergesetzt, dass die wahre Grundlage von Emotionen Liebe ist. Hier, in diesem Text werden wir zusammen eine kleine Reise unternehmen, um tiefer in die Grundlage allen menschlichen Handelns einzutauchen. Wir werden entdecken, dass die Basis aller Handlungen tatsächlich die Liebe ist.
Ich weiss, wie schwierig es für die meisten Menschen ist, zu sehen, dass die Grundlage für alles, was sie je getan, gedacht oder geglaubt haben, die Liebe ist. Ich werde auch hier wieder eine ganz spezifische Lebensgeschichte erzählen, um eine neue Perspektive in Bezug auf das menschliche Handeln und Denken zu gewinnen. Unsere Geschichte beginnt in Amerika.
Mary wurde 1942, während des zweiten Weltkrieges, in ein katholisches Elternhaus hineingeboren. Rockville Center, ihr Geburtsort, ist eine kleine Stadt auf Long Island, etwa 25 Meilen von New York City entfernt. Ein Erlebnis am 17. Februar 1950 sorgte dafür, dass Mary lieber in einer anderen Zeit geboren worden wäre. An jenem Tag, ihrem achten Geburtstag, wartete sie bis spät in die Nacht hinein vergeblich auf ihren Vater. Er kam nie zuhause an. Ralph Moriarty starb in jener Nacht, zusammen mit 30 anderen Menschen beim grossen Zugunglück der Long Island Railroad in Rockville Center. Es geschah auf dem Heimweg nach einem langen Arbeitstag in Manhattan. In seinem Gepäck befand sich ein Geburtstagsgeschenk für sein „besonderes Mädchen“.
Marys Leben war bis zu diesem Zeitpunkt nicht einfach gewesen. Sie war ein „Kriegskind“ und ihr Vater war einer der Überlebenden, die vom Krieg zurückgekehrt waren. Mit grosser Traurigkeit dachte Mary oft an die wenigen Jahre, die sie gemeinsam mit ihrem Vater erleben durfte. Marys Mutter hatte während der Kriegsjahre gearbeitet, um ihre kleine Familie zu unterstützen. Sally Moriarty tat, was viele Frauen im zweiten Weltkrieg taten: Sie arbeitete in der Rüstungsindustrie, am Fliessband bei Grumman Aircraft, einer Firma, die Flugzeuge für die Marine produzierte.
Während der Woche sah Mary ihre Mutter fast nie. Sally musste in den frühen Morgenstunden zur Arbeit in Bethpage, wo die Firma ihren Standort hatte, und kehrte erst zurück, nachdem Mary eingeschlafen war. In diesen Jahren kümmerte sich Marys Grossmutter die meiste Zeit um ihre Enkeltochter. Bis zum Ende des Krieges schienen Marys Eltern für sie fiktive Figuren aus einem surrealen Roman zu sein. Sie kannte ihren Vater gar nicht und ihre Mutter nur ganz wenig.
Marys Grossmutter Anne gehörte der „alten Schule“ an. Als kleines Mädchen kam sie Ende des 19. Jahrhunderts aus Irland in die USA. Anne hatte nie die miserablen Bedingungen auf dem Schiff nach Amerika vergessen. Auch nicht die „Beinahe-Sklaverei“, unter der sie, ihre Brüder und ihre Eltern in den Anfangsjahren als irische Einwanderer in den USA lebten.
Anne übertrug ihre Gefühle von Trauer, Isolation und Plackerei an ihre Enkelin, die in einer anderen Zeit aufwuchs. Auf der Basis von Trauer, Verzweifelung und Isolation entstand ein einziger Gedanke: „Das Leben ist schrecklich hart und ungerecht“. Das war Annes Lebenserfahrung, sowohl als Kind als auch als Erwachsene. Irische Katholiken hatten es nicht leicht im Amerika von 1890. Später, in den 1920er Jahren, waren Anne und ihr Ehemann in der Lage, mit der jungen Sally und ihren beiden Brüder nach Long Island zu ziehen. Annes Ehemann bekam eine Stelle bei der Eisenbahn im ehrbaren Rockville Center. Ausserdem war das für einen Katholiken ein guter Ort zu leben. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung war katholisch, und später, im Jahr 1957, bekam Rockville Center sogar einen eigenen Bischof…
So wuchs Mary mit der Lebenseinstellung ihrer Grossmutter auf. Diese Haltung wurde extrem verstärkt durch Marys eigene Lebenserfahrung als junges Mädchen. Als ihr Vater starb, könnte man durchaus sagen, dass Marys Lebensfeuer erlosch. Nach dem Tod ihres Vaters kam sie zu dem traurigen Schluss, dass sie in Wirklichkeit kein Recht darauf hatte, glücklich zu sein.
Ab 1950 wurde die Haltung der Grossmutter zur Grundlage von Marys Leben: „Das Leben ist schrecklich hart und ungerecht“. Mary wurde zu einem emotional verschlossenen jungen Mädchen, das niemals jemandem Zugang zu ihrem Herzen gewährte. Sally heiratete 1952 wieder. Ihr neuer Mann, Mr. Gallagher, hatte einen guten Beruf und ermöglichte dadurch Mary und ihrer Mutter, in der Gesellschaft aufzusteigen. Nach dem Besuch der Sacred Heart Academy, einer privaten katholischen Schule im nahe gelegenen Hempstead, ging Mary aufs College, wo sie ihren späteren Ehemann kennen lernte. Mit ihm hatte sie zwei Kinder.
Im Laufe ihrer Collegejahre legte sich Mary äusserlich ein Lächeln zu, während ihre innere Haltung jedoch gleich blieb: „Das Leben ist schrecklich hart und ungerecht“. Mary heiratete den „richtigen“ Mann. Auch Ralph war ein guter Katholik mit irischen Wurzeln. Seine Familie hatte „es geschafft“. Ralphs Vater war geschäftlich erfolgreich, und Ralph hatte gute berufliche Chancen.
Hat Mary Ralph geliebt? Auch wenn sie diese Worte verwendete, hatte sie sich nie ernsthaft mit dieser Frage auseinandergesetzt. Ralph entstammte einfach der richtigen Familie und hatte gute berufliche Aussichten. Mehr war für eine junge Frau wie Mary nicht von Bedeutung, bis zu dem Zeitpunkt, als ihre Ehe dreizehn Jahre später scheiterte...
Nun, was hat Marys Lebensgeschichte, mit unserem Thema, „Die Liebe ist die Basis von allem, was Sie je getan haben...“ zu tun?
Lassen Sie uns die Grundlage von Marys Leben untersuchen. Mary lernte zu überleben, indem auch sie die Haltung ihrer Grossmutter, „Das Leben ist schrecklich hart und ungerecht“, verinnerlichte. Mary sah in den Erfahrungen, die sie in ihrer Kindheit machte, den „Beweis“ für diese Haltung: der Krieg, der frühe Tod ihres Vaters und die arbeitende Mutter, die nicht für sie da war.
Was hat das mit Liebe zu tun?
Das Grundprinzip in Marys Leben war das Überleben. Sie hatte gelernt zu überleben, indem sie sich emotional verschloss und ihr Herz für andere Menschen und für die Ereignisse in ihrem Leben versiegelte. Die Grundlage dafür war Selbstliebe.
Warum? Wie?
Mary wollte leben. Dies war die einzige Möglichkeit, die sie kannte. Sie liebte sich selbst so sehr, dass sie versuchte, das beste Leben für sich selbst und später für ihre beiden Kinder zu erschaffen. Mary kannte keine andere Art zu leben. Sie kannte nur die Lebensgrundlage ihrer Grossmutter, „Das Leben ist schrecklich schwer und ungerecht“, und gab diese an ihre Kinder weiter.
Ist diese Grundlage falsch? Nicht aus Marys Sicht. Es war die einzige Möglichkeit, die Mary zum Überleben kannte. Um es mit anderen Worten zu sagen, Überleben bedeutete für sie, sich selbst zu lieben. Natürlich gab sie diese Haltung an ihre eigenen Kinder weiter. Es war die einzige Lebensweise, die sie sich vorstellen konnte.
Mary wird in Kürze ihren 70. Geburtstag feiern. Sie lebt noch immer in einer Wohnung in Rockville Center. Sie hat vier Enkelkinder, ihre Tochter ist geschieden, die Ehe ihres Sohnes wackelt. Nun, so ist das Leben. Oder etwa nicht?
Müssen Ehen scheitern? Müssen wir Menschen uns unglücklich und unerfüllt fühlen, ähnlich wie Mary?
Mary könnte noch immer tiefe, erfüllende Selbstliebe in ihrem Leben finden. In Wirklichkeit ist es so einfach. Dafür müsste sie lediglich erkennen, wie viel sie schon im Leben geliebt hat, um es so weit zu bringen. Und dann müsste sie erkennen, dass die Haltung ihrer Grossmutter ihr in der Kindheit gedient hatte, und sie diese als Erwachsene jedoch nicht mehr braucht. Mit dieser Erkenntnis wäre Mary in der Lage, die Haltung der Grossmutter aufzugeben und ihr Herz zu öffnen. Das ist alles, was man braucht: Zu erkennen, dass ein verschlossenes Herz nicht wirklich der Weg ist.
Nun, kommen wir zu Ihrem Leben. Wie hat sich die Selbstliebe in diesem Leben gezeigt? Was haben sie getan, um zu überleben, und welche Haltung oder Einstellung hat Sie bisher im Leben angetrieben?
Wenn Sie Ihre Sichtweise verändern, werden Sie erkennen können, dass Ihre bisherigen Haltungen gegenüber dem Leben in Wirklichkeit ein Ausdruck der Liebe waren. Mehr noch, Sie werden sehen, dass jede einzelne Handlung und jeder einzelne Gedanke bis heute in Wirklichkeit Handlungen und Gedanken der Liebe waren.
Kehren wir für einen Augenblick zu Marys Leben zurück, um in der Lage zu sein, dies zu erkennen. Mary übernahm nicht nur die Lebenshaltung ihrer Grossmutter. Sie übernahm auch die Konventionen ihrer Familie, ihrer Abstammung und ihrer Umwelt. Marys Eltern waren beide „gute“ Katholiken. Und so wurde auch sie eine „gute“ Katholikin. Mary ging sogar auf eine katholische Akademie für Mädchen, denn „gute“ katholische Mädchen tun das, vor allem, wenn sie im Leben weiterkommen wollen. Mary heiratete einen „guten“ katholischen Mann mit dem „richtigen“ Hintergrund, um die „richtige“ Grundlage für eine „gute“ Familie zu bilden. All das sind, im tiefsten Sinne, Ausdrücke der Liebe für sich selbst und für ihre Kinder.
Marys Mutter hatte ähnlich gehandelt. Sally arbeitete, um Geld für ihre kleine Familie zu verdienen, als ihr Mann in den Krieg gezogen war. Ja, sie opferte ihre Beziehung mit ihrer Tochter, um dies zu tun. Doch aus Sallys Sicht war dies eine Handlung der Liebe, um ihrer Tochter die bestmögliche Grundlage für die Zukunft zu geben. Sally heiratete Mr. Gallagher, nicht weil sie in ihn verliebt war, sondern weil sie Mary die bestmögliche Grundlage für das Leben geben wollte. Sally hätte nicht einmal davon träumen können, Mary eine Ausbildung an der Sacred Heart Academy zu ermöglichen, da diese eine Privatschule ist. Mit der finanziellen Unterstützung von Mr. Gallagher war dies kein Problem.
Heimlich nannte Mary den zweiten Ehemann ihrer Mutter stets „Mr. Gallagher“, weil sie ihn nie wirklich als ihren Stiefvater akzeptieren konnte. Aber auch das war, aus Marys Sicht, eine Handlung der Liebe, weil sie ihren Vater in ihrem Herzen ehren wollte.
Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Sie, wenn Sie ganz ehrlich mit sich selbst sind, feststellen, dass auch Sie eine sehr spezielle Einstellung als Grundlage Ihres Lebens verwendet haben, um zu überleben. Wenn Sie bereit sind, tief genug in sich selbst zu graben, werden Sie dann erkennen, dass diese Haltung letztendlich auch nur ein Ausdruck der Liebe war.
Wenn Sie so tief wie möglich in Ihrem Prozess der Selbstfindung eintauchen, werden Sie schliesslich feststellen, dass Sie nie etwas getan haben, was nicht ein Ausdruck der Liebe war.
Nachdem Sie dies erkannt haben, werden Sie nicht allzu grosse Schwierigkeiten haben, die Tatsache zu akzeptieren, dass Ihr gesamtes Leben bis zu diesem Zeitpunkt in Wirklichkeit ein Ausdruck der Liebe war.
Das wird einige Zeit dauern, denn diese Perspektive ist neu und wird allgemein wenig akzeptiert. In der Zwischenzeit werde ich weiterhin neue Texte schreiben, die uns gemeinsam auf den Weg zur Selbstliebe bringen.
Andrew Terker
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